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Grußwort des Bayerischen Ministerpräsidenten a. D.
Dr. Edmund Stoiber

Bayerische Stiftung Hospiz
Unterzeichnung von Stiftungsurkunde und Stiftungssatzung, München, 21. September 1999



Foto: Dr. Edmund Stoiber Der Tod ist ein Tabu. Wir neigen dazu, den Gedanken an ihn zu verdrängen, denn er zieht uns eine Grenze, er fragt nach dem Sinn, den wir unserem Leben gegeben haben, und er setzt uns vielleicht einem Leiden aus, das wir mit gutem Grund nicht kennen wollen.

Ein Tabu kann allerdings auch wohltuend sein. Jedes Volk hat seine unausgesprochenen Regeln, und es fährt gut damit, sie nicht zu zerreden. Aber in unserer Gesellschaft erscheint der Tod weniger als ein Tabu in diesem Sinne, denn als narzißtische Kränkung. Wir verdrängen ihn – nicht zuletzt durch ein Spektakel, das von der morgendlichen Zeitungslektüre bis zum Mitternachtskrimi reicht: Der virtuelle Tod ist allgegenwärtig.

So gewinnt die Verdrängung vielfältige Formen. Der Anteilnahme steht ein voyeuristisches Behagen am Gruseln gegenüber, vielleicht sogar eine gewisse Erleichterung darüber, daß ein Unglück jemand anderen getroffen habe. Zudem ersetzen wir allzu oft Anteilnahme durch Rituale, zu denen wir uns verpflichtet fühlen, obwohl wir sie gar nicht empfinden: "Betroffenheit" ersetzt die Trauer.

Die Bayerische Stiftung Hospiz will alldem begegnen. Sie will dazu beitragen, das Sterben, unser aller Schicksal, in das Leben einzubinden. Dabei geht es ihr um konkrete Hilfe. Wir können den Tod nicht abschaffen, durch welchen Fortschritt der Medizin auch immer, aber wir können den Menschen, deren Stunde gekommen ist, beistehen: Schmerzen lindern, Einsamkeit überwinden. Auch sind wir dazu aufgerufen, uns über Möglichkeiten und Grenzen der medizinischen Betreuung Gedanken zu machen.

Die Stiftung verfolgt den Zweck, ein Netz von Hospizeinrichtungen und Palliativstationen aufzubauen, die Betreuer und Pfleger zu unterstützen sowie die einschlägige Forschung zu fördern. Vor allem aber will sie unsere Augen öffnen, unser Mitgefühl wecken. Ich danke den Frauen und Männern, die sich in der bayerischen Hospizbewegung engagieren. Allein die ehrenamtlichen unter ihnen leisten Jahr für Jahr rund eine Viertelmillion von Einsatzstunden. Innerhalb kurzer Zeit sind 81 Hospizvereine und -initiativen mit zehntausend Mitgliedern und knapp zweitausend freiwilligen Helfern ins Leben getreten. Vorangekommen ist auch der Aufbau von Palliativstationen an Krankenhäusern und stationären Hospizen. Das ist ein ermutigendes Zwischenergebnis.

Dem Tod zu begegnen, ist in erster Linie eine religiöse und philosophische Aufgabe. Medizinische und soziale Betreuung können uns aber jenen Beistand leisten, den wir uns und den Menschen, die wir lieben, in dieser letzten Stunde wünschen.

Unterschrift Dr. Edmund Stoiber


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