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"Sterben leicht gemacht?! – aktive Sterbehilfe – Hospizidee"

Podiumsdiskussion der Bayerischen Stiftung Hospiz am 23.04.2004

Fotos von der Veranstaltung

Am 23.April 2004 veranstaltete die Bayerische Stiftung Hospiz in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen in München eine Podiumsdiskussion zum Thema "Sterben leicht gemacht?! Sterbebegleitung – aktive Sterbehilfe – Hospizidee" mit Vertretern aus Medizin, Politik und Gesellschaft. Etwa 350 Gäste folgten der Einladung nach Schloss Nymphenburg.

IKH Beatrice Prinzessin von Bayern, Schirmherrin der Veranstaltung und Stiftungsratsmitglied der Bayerischen Stiftung Hospiz, eröffnete die Veranstaltung. In ihrem Grußwort machte sie deutlich, dass es eine einfache Antwort auf die Frage "Sterben leicht gemacht?" nicht geben könne. Es gehe bei dieser Frage nicht um die Suche nach möglichst bequemen, humanen Wegen, das Leben zu beenden, sondern um die Grundeinstellung zum Leben. Vielen Menschen falle es offenbar sehr schwer, das Sterben als Teil des Lebens, als essentiellen und überaus wichtigen Teil davon, zu akzeptieren und vor allem auch zuzulassen. Echte Anteilnahme und Fürsorge in Kombination mit palliativer Betreuung mache das Leben Sterbender wieder lebenswert und gäbe deren Leben wieder einen Sinn. Der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe würde so erst gar nicht aufkommen.

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Herrn Dr. Dr. Rainer Erlinger, Süddeutsche Zeitung. Als Experten waren geladen Frau Staatsministerin Christa Stewens, Schirmherrin der Bayerischen Stiftung Hospiz, Frau Elke Ehrenfeld von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), Herr Prof. Dr. W. Eisenmenger, Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin der Universität München, Herr Prof. Dr. Eberhard Klaschik, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Frau Barbara Lanzinger, MdB, Vorsitzende des Bayerischen Hospizverbandes, stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates der Bayerischen Stiftung Hospiz und Mitglied der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" sowie Herr Dr. Christoph Meier, stellv. Akademie-Direktor der Evang. Akademie Tutzing.

Die Bayerische Sozialministerin Stewens wies darauf hin, dass eine öffentliche Diskussion dieses sensiblen Themas unbedingt notwendig sei. Aktive Sterbehilfe, also Tötung eines Menschen sei der inhumane und falsche Weg. Eine Relativierung des unbedingten Lebensschutzes dürfe es nicht geben. Dadurch entstünde ein enormer psychologischer Druck auf alte und kranke Menschen, ihren Angehörigen oder der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen. Zudem zeigten erste Erfahrungen aus den Niederlanden, die im Jahr 2000 die aktive Sterbehilfe legalisiert hatten, dass die Gefahr eines Missbrauchs gegeben sei. Es könne und dürfe nicht darum gehen, ein Menschenleben vorzeitig zu beenden. Allerdings sei auch eine Lebensverlängerung um jeden Preis nicht angezeigt. Wertmaßstab müsse immer die Menschenwürde sein, so Sozialministerin Stewens weiter.
Eine gegenteilige Position vertrat Frau Ehrenfeld von der DGHS. Ihrer Ansicht nach müsse jedem Menschen das Recht auf einen selbstbestimmten Tod zugestanden werden. Hospizarbeit und Palliativmedizin seien zwar wichtige Elemente, könnten aber nur Angebote an den Patienten sein. Die Entscheidung, ob er diese Angebote wahrnehmen oder lieber sterben wolle, müsse ihm jedoch überlassen werden.

Der evangelische Theologe Christoph Meier entgegnete hierauf, dass der Tod an sich nicht selbstbestimmt, sondern in hohem Maße fremdbestimmt sei. Es gehe gerade darum, eine Fremdbestimmung durch andere Menschen zu verhindern. Statt lebensverlängernde Maßnahmen um jeden Preis solle der Tod wieder zugelassen werden. Lediglich in Extremfällen sollten ernsthafte und nachvollziehbare Gewissensentscheidungen wie Beihilfe zum Suizid straflos bleiben. Eine rechtliche Regelung dieser Fälle lehnte Meier jedoch ab, da er Missbrauch fürchte.

Die Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger sprach sich für den Ausbau der Hospizidee und mehr Menschlichkeit in der Sterbebegleitung aus. Sie forderte die Gesellschaft dazu auf, wieder zu lernen, mit Leid umzugehen und es auch zuzulassen. Man müsse Mut haben, andere Wege der Betreuung zu gehen, und dürfe sich durch die Vielzahl der gesetzlichen Vorgaben nicht abschrecken lassen. Frau Lanzinger plädierte dafür, ähnlich wie in Österreich und Frankreich eine Familienhospizkarenz einzuführen. Diese Zeit würde als unbezahlter Urlaub gewährt und ermögliche es Berufstätigen, ihre sterbenden Angehörigen auf ihrem Weg zu begleiten. Frau Lanzinger sprach sich weiter dafür aus, die Hospiz-Bürgerbewegung zu verbreitern und vorhandenes Wissen weiter zu vermitteln, da sich nur auf diesem Weg der Hospizgedanke in der Gesellschaft verankern lasse.

Der Rechtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger lehnte eine gesetzliche Regelung zur aktiven Sterbehilfe wegen der möglichen Missbrauchsgefahr ab. Zudem vertrat er die Ansicht, dass schon jetzt alles außer der vorsätzlichen Tötung eines Patienten rechtlich gestattet sei. Dies sei aber in der Ärzteschaft nur unzureichend bekannt. Gerade im Bereich des Betäubungsmittelsrechts fürchten viele Ärzte, bei der Verabreichung von hohen Dosen juristisch belangt werden zu können. Somit sei nicht eine Änderung der bestehenden Rechtslage, sondern die Aufklärung der Ärzteschaft der richtige Weg.

Der Palliativmediziner Professor Eberhard Klaschik betonte, dass gerade bei unheilbar an Krebs erkrankten Patienten mit Hilfe der modernen Palliativmedizin viel erreicht werden könne. Damit würde den Patienten eine neue Lebensperspektive gegeben. Bevor man die aktive Sterbehilfe in Erwägung ziehe, solle man der Hospizbewegung eine Chance geben. Klaschik trat dafür ein, auch die Kostenträger von der Bedeutung der Hospizbewegung und Palliativmedizin zu überzeugen, um diese nicht aus Kostengründen zum Erliegen zu bringen.

Sozialministerin Christa Stewens schloss sich diesen Ausführungen an. Sie erläuterte, dass die Bayerische Staatsregierung auf mitfühlende und qualitativ hochwertige Begleitung, gute palliativpflegerische Betreuung und effektive Palliativmedizin als Alternative zur aktiven Sterbehilfe setze. Hierzu gehöre z.B. ein Netz aus 115 Hospizvereinen mit 3.000 aktiven ehrenamtlichen Hospizhelfern. Der Aufbau von zur Zeit 8 stationären Hospizen mit 64 Plätzen, 17 Palliativstationen mit 154 Betten, 4 Akademien zur Qualifizierung aller, die mit der Begleitung Sterbender befasst sind, wurde vom Freistaat seit 1997 mit 4,6 Mio. € staatlich gefördert. Der Freistaat Bayern war auch Mitbegründer der Bayerischen Stiftung Hospiz, die seit ihrer Gründung ca. 600.000,- € für die Förderung des Hospizgedankens ausbezahlen konnte. "Wir brauchen Kultur der achtungsvollen Begleitung Sterbender", so die Ministerin.

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass nicht aktive Sterbehilfe, sondern der Ausbau der Hospizarbeit und der Palliativmedizin sowie eine verstärkte Fort- und Weiterbildung der Ärzteschaft notwendig ist, um sterbenden Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Dabei sei keineswegs eine Lebensverlängerung um jeden Preis gewollt. "Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben!", so Frau Lanzinger, MdB.

Nach den Statements der Expertenrunde wurden auch Fragen und Anregungen aus dem Publikum diskutiert.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion riefen der Stiftungsratsvorsitzende Herr Dr. Thomas Binsack, Chefarzt der Palliativstation am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München sowie Frau Lanzinger, MdB die Gründung des Freundeskreises der Bayerischen Stiftung Hospiz aus. Als Freund der Stiftung sei jeder willkommen, der die Arbeit der Bayerischen Stiftung Hospiz durch Verbreitung des Hospizgedankens in Politik und Gesellschaft, durch finanzielle Zuwendungen oder auf andere Art und Weise unterstützt. Frau Lanzinger forderte alle Gäste dazu auf, Botschafter für den Hospizgedanken zu sein, um das Tabuthema Tod und Sterben wieder zu dem zu machen, was es ist – ein Teil des Lebens.

Beim anschließenden Empfang, zu dem alle Gäste eingeladen waren, fand noch ein reger Austausch über Hospizgedanken, Stiftung und Sterbehilfe statt.

Nähere Informationen zur Bayerischen Stiftung Hospiz und zum Freundeskreis sind auf der Homepage www.bayerische-stiftung-hospiz.de oder telefonisch unter 0921-605 3350 erhältlich.

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Fotos von der Veranstaltung

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Blick in's Publikum

Blick in's Publikum

IKH Beatrice Prinzessin von Bayern

Schirmherrin IKH Beatrice Prinzessin von Bayern eröffnet die Veranstaltung


Musikalische Begleitung: Verene und Julia Kamke

Musikalische Begleitung: Verene und Julia Kamke

Frau Barbara Lanzinger, MdB, und Dr. Thomas Binsack, bei der Gründung des Freundeskreises

Die stellvertrende Stiftungsratsvorsitzende Frau Barbara Lanzinger, MdB, und der Stiftungsatsvorsitzende Dr. Thomas Binsack, bei der Gründung des Freundeskreises


Im Foyer

Im Foyer

Frau Lanzinger, MdB, im Gespräch

Frau Lanzinger, MdB, im Gespräch


Blick in's Publikum

Blick in's Publikum

Herr Dr. Christoph Meier, Herr Prof. Dr. Eberhard Klaschik, Frau Staatsministerin hrista Stewens, Herrn Dr. Dr. Rainer Erlinger, Frau Barbara Lanzinger MdB, Herr Prof. Dr. W.  Eisenmenger,  Frau Elke Ehrenfeld

Podium – v.l.n.r. Herr Dr. Christoph Meier, Herr Prof. Dr. Eberhard Klaschik, Frau Staatsministerin Christa Stewens, Herr Dr. Dr. Rainer Erlinger, Frau Barbara Lanzinger MdB, Herr Prof. Dr. W. Eisenmenger, Frau Elke Ehrenfeld


Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Versorgung und Familienförderung Linstädt

Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Versorgung und Familienförderung Linstädt (2. v. l.) im Gespräch

Frau Karin Stoiber beim Empfang

Frau Karin Stoiber beim Empfang


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