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Grußwort
von
Frau Regierungsrätin Maria Weigand

Eröffnung der 3. Fachtagung
der Bayerischen Stiftung Hospiz

Lichtenfels, den 13. Oktober 2003

Begrüßung

Sehr geehrter Herr Dr. Binsack,
sehr geehrte Frau Abgeordnete Lanzinger,
sehr geehrter Herr Präsident Linstädt,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf ihnen zunächst die herzlichsten Grüße von Frau Staatsministerin Christa Stewens übermitteln. Sie bedauert sehr, dass sie heute nicht hier sein kann. Wer sie kennt, weiß, wie sehr sie dem Hospizgedanken verbunden ist und die Schirmherrschaft für die Bayerische Stiftung Hospiz und diese Fachtagung aus Überzeugung für die Sache übernommen hat. Sie hat mich gebeten, sie zu vertreten.

Ich möchte mit einem kurzen Bericht einer Hospizhelferin beginnen:
"Mein kürzester Einsatz war bei einem sterbenden, 69jährigen Mann. Er hatte Alzheimer im weit fortgeschrittenen Stadium und Magenkrebs, der nicht mehr operiert wurde. Die Angehörigen entschieden gemeinsam mit den Ärzten, dass er in Ruhe zu Hause sterben solle.

Im umgeräumten Esszimmer stand das Krankenbett und die Frau versorgte ihn liebevoll mit Hilfe der Pflegekräfte der Sozialstation, die 2 mal am Tag kamen.

Er reagierte nicht auf Ansprechen oder Berührung, hielt die Augen geschossen oder starrte ins Leere. Ich konnte ihm nur regelmäßig den Mund befeuchten, wobei er ein wenig das Gesicht verzog und manchmal schien mir, dass er lächelte. Gelegentlich streichelte ich seine Hand und sprach nur einige Worte. Ich saß die meiste Zeit im stillen Gebet oder lesend. Es war ein fühlbar tiefer Friede im Raum. Nach 14 Tagen starb er und ich bin mir sicher, dass es für ihn nichts besseres geben konnte, als in diesem vertrauten und liebevollen Umfeld sein Leben zu vollenden."

Dieses Beispiel, das die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Angehörigen, Pflegekräften und Hospizhelfern so anschaulich verdeutlicht, ist leider nicht die Regel. Die Veränderungen im Zuge der Entwicklung der modernen Medizin und des Ausbaus des Krankenhauswesens haben dazu geführt, dass Schwerstkranke und Sterbende in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend zur Behandlung (eigentlich zum Sterben) in stationäre Einrichtungen eingewiesen werden.

Der Prozess des Sterbens wurde mehr und mehr aus der Familie, aus dem Leben ausgegrenzt und ist in die Verborgenheit der Institutionen verschwunden.

Es ist das Verdienst der Hospizbewegung, dass hier in den letzten Jahren ein Umdenkungsprozess begonnen hat.

Ursprünglich war ein Hospiz eine Herberge für Reisende. Heute dient der Begriff Hospiz als Symbol für die umfassende und ganzheitliche Begleitung eines unheilbar Kranken in der Endphase seines Lebens. Hospiz ist ein Konzept, eine Haltung, eine Einstellung.

Sterbenden ein Leben in Würde bis zuletzt zu ermöglichen, ist nicht nur Ziel der Hospizbewegung, sondern Merkmal jeder humanen Gemeinschaft. Die Begleitung Sterbender ist immer auch ein Zeichen gelebter Solidarität.

Seit dem unermüdlichen Wirken von Pater Iblacker Anfang der 70iger Jahre, dem spiritus rector, nicht nur der bayerischen, sondern der deutschen Hospizbewegung hat sich viel getan.

  • Wir haben in Bayern ein flächendeckendes Netz mit rund 114 Hospizvereinen mit ca. 3.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die rund um die Uhr Schwerstkranke und Sterbende begleiten.

    Der Freistaat förderte dieses Engagement zunächst über das "Bayerische Netzwerk Pflege" und jetzt durch die Bayerische Stiftung Hospiz.

  • Aus der Hospizbewegung heraus wurde mit Unterstützung des Freistaates Bayern 1999 die Bayerische Stiftung Hospiz ins Leben gerufen. Sie verfügt heute über ein Grundstockvermögen von 3,57 Mio. € und hat bisher rund 500.000 € für den Stiftungszweck ausgereicht.

  • Der Freistaat Bayern hat darüber hinaus seit 1997 insgesamt rund 4,6 Mio. € aus dem Sozialfonds für die Errichtung von stationären Hospizen und Palliativstationen an Krankenhäusern sowie von Akademien für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit in Bamberg, Würzburg und München bereitgestellt.

    Heute verfügen wir über
    14 Palliativstationen mit 129 Betten und
    7 stationäre Hospize mit insgesamt rd. 56 Plätzen, die dann übernehmen, wenn die Versorgung zu Hause nicht mehr möglich ist. Zwei weitere Einrichtungen befinden sich gerade im Bau, sodass demnächst 76 Hospizplätze zur Verfügung stehen werden.

  • Wir haben aber auch ein flächendeckendes Netz mit rund 1.600 ambulanten Pflegediensten deren Auf- und Ausbau in den Jahren vor Einführung der Pflegeversicherung mit rund 150 Mio. € staatlich gefördert wurde.

§ 39a SGB V

Sehr stolz bin ich darauf, dass es uns gelungen ist, die Förderung der ambulanten Hospizarbeit durch die gesetzliche Krankenversicherung zu realisieren. Im ersten Förderjahr 2002 wurden an 20 Hospizvereine 711.000 € ausgereicht.

Damit hat der Gesetzgeber die Notwendigkeit der ambulanten Sterbebegleitung durch Hospizhelfer erstmals rechtlich anerkannt. Ich hoffe sehr, dass der Ausbau der palliativpflegerischen Beratung und die vorgesehene Kooperation mit Ärzten und Pflegediensten der ambulanten Versorgung einen spürbaren Schub verleihen wird. Damit würden wir dem Wunsch der meisten Menschen den Lebensweg zu Hause in vertrauter Umgebung, im Kreis der Angehörigen zu Ende zu gehen, ein Stück näher kommen.

Einen Punkt möchte ich noch ansprechen, der mir ganz wichtig erscheint. Ehrenamtliche Helfer werden häufig als Laienhelfer oder Laien bezeichnet. Ehrenamtliche Tätigkeit wird professioneller Tätigkeit gegenübergestellt. Das ist falsch.

Die ausgebildeten ehrenamtlichen Hospizhelfer erhalten zwar keine Vergütung; sie leisten jedoch professionelle Arbeit. Ehrenamtliche Tätigkeit kann nicht nur, im Bereich der Sterbebegleitung muss sie professionell sein. Tatsächlich stehen sich gegenüber:
Professionell und unprofessionell bzw.
ehrenamtlich und vergütete
Tätigkeit.

Hier darf es kein Konkurrenzdenken geben, sondern ein gemeinsames Wirken hauptamtlicher und ehrenamtlicher Kräfte im Interesse der Menschen, die auf Ihre Fürsorge und Zuwendung angewiesen sind.

Ich sage dies ganz bewusst. Das ehrenamtliche Engagement ist das Herz der Hospizbewegung und wird dies auch in Zukunft bleiben. Auch die neue Förderung der ambulanten Hospizarbeit über die gesetzliche Krankenversicherung sieht keine Vergütung der ehrenamtlichen Sterbebegleitung selbst vor, sondern die Förderung einer Fachkraft für die Anleitung und Begleitung der Ehrenamtlichen bzw. die palliativpflegerische Beratung.

Für ein produktives soziales Arbeiten im Sinne des Hospizgedankens ist eine gelungene, von gegenseitiger Achtung getragene Zusammenarbeit zwischen den Pflegekräften und den ehrenamtlichen Hospizhelfern unerlässlich. Die Basis dafür ist gegenseitiger Respekt und Anerkennung.

Die Begleitung schwerstkranker Menschen erfordert ein hohes Maß an fachlicher, persönlicher, psychosozialer und spiritueller Kompetenz.

Neben den Fachtagungen zur Hospizarbeit der Bayerischen Stiftung Hospiz, leisten vor allem die 3 bayerischen Akademien zur Aus- und Fortbildung in Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit wertvolle Arbeit bei der Vermittlung dieser Schlüsselqualifikationen.
Teilweise bestehen bereits lange Wartelisten, um in einem der Kurse unterzukommen. Trotzdem möchte ich an alle in der Begleitung Sterbender Tätigen appellieren, insbesondere an die Ärzte und Pflegedienste diese Fortbildungsangebote zu nutzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Bedeutung von Supervision nicht nur für die Hospizhelfer, sondern auch für die Pflegekräfte hervorheben. Sie ist nicht nur sinnvoll sondern notwendig, da sie hilft,

  • die psychischen Belastungen zu verarbeiten und
  • dem so genannten burn out vorzubeugen.

Aus diesem Grund fördert der Freistaat Bayern derzeit im Rahmen eines einmaligen Sonderprogrammes mit 500.000 € die Durchführung von Supervision in der ambulanten Pflege.

Die Fachtagung gibt Ihnen Gelegenheit hier Erfahrungen zu sammeln.

Ich wünsche der 3. Fachtagung der Bayerischen Stiftung Hospiz einen konstruktiven Verlauf und Ihnen als Teilnehmern die Chance, möglichst viel mit "nach Hause" nehmen zu können. Bauen Sie darauf auf und entwickeln Sie Netzwerke vor Ort! Daraus können Versorgungsstrukturen entstehen, die dazu beitragen, uns die Angst vor dem Sterben vielleicht nicht ganz zu nehmen aber erträglich werden zu lassen.


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