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Begleitung von schwerkranken Menschen in einer Einrichtung der Behindertenhilfe

(von Monika Pscheidl und Anette Wilde)

Zunächst zu unserer Einrichtung:
Das Franziskuswerk Schönbrunn ist eine Einrichtung für etwa 790 geistig und mehrfachbehinderten Menschen in allen Alterstufen mit verschiedenen Bereichen: Wohnstätten, Werkstätten, Schule, Kindergarten, Seniorenzentrum, Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege, Altenpflege und Heilpädagogik usw.
Die meisten Menschen verbringen viele Jahre ihres Lebens hier, oft sogar fast ihr ganzes Leben, von Kindheit und Jugend an bis zu ihrem Tod.

Ca. 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier beschäftigt.
Die Menschen, die hier leben sind im Durchschnitt für Krankheiten anfälliger und öfter an der Schwelle zwischen gesund und krank, ja zwischen Leben und Tod als Menschen sonst in der Gesellschaft. Das bedeutet, dass schwere Krankheiten keine Seltenheit sind und das Sterben in unserer Einrichtung zum Leben gehört.
Wer bei uns arbeitet, und das sind ca. 1000 Mitarbeiter, muss darauf gefasst sein, dass auch in seiner Gruppe Bewohner, Bewohnerinnen sterben können. Manchmal werden sie von einem plötzlichen Tod überrascht, manchmal gilt es Schwerkranke über einen längeren Zeitraum zu begleiten.

Wie sieht das nun aus, in so einer großen Einrichtung:
Im Mittelpunkt ist die Wohngruppe. Hier lebt der Schwerkranke zusammen mit den anderen MitbewohnerInnen. Mitarbeiterinnen sind im Schichtdienst, wenn man die Nachtdienst mit einbezieht, rund um die Uhr für die Bewohner da. Sie haben durch ihre Sorge für die Bewohner und Bewohnerinnen, den dichtesten Kontakt zu diesen Menschen, in den vielen Fällen sind sie ihnen näher als die Angehörigen. Von daher bilden sie das Fundament einer geglückten Sterbebegleitung. Wenn Mitarbeiter selber Angst vor dem Sterben eines Bewohners haben, können sie die Betroffenen nicht gut begleiten, sie können eine gute Begleitung sogar blockieren. Als Frau Wild im Fachdienst Pflege und ich im Bereich Seelsorge vor sechs Jahren hier zu arbeiten begonnen haben, haben wir schnell mitbekommen, welch eine große Belastung das Sterben der Bewohner für die Betreuer darstellt.
Manche konnten den Tod schwer verkraften, plötzliche Todesfälle lösten einen großen Schock im Team aus, es kam es immer wieder vor, dass sich Mitarbeiter nicht mehr in das Zimmer von Schwerkranken gewagt haben, aus Angst, er könne bei ihnen sterben, der Umgang mit Trauer und Verlust war sehr schwierig.

Wir haben uns zusammengetan und überlegt, was können wir tun, um eine gute Sterbebegleitung für unsere BewohnerInnen zu ermöglichen? Wie können wir die Mitarbeiter dazu befähigen und unterstützen, dass sie der Aufgabe gewachsen sind.
Wir haben begonnen zusammen sehr breit angelegt Mitarbeiterschulungen zum Thema: Einführung in die Sterbebegleitung und zum Umgang mit Verlusten, und weiteres Themen anzubieten. Es war uns wichtig, dass möglichst viele Mitarbeiter und Nachtdienste die Möglichkeit haben teilzunehmen. Wir führten ein paar Jahre lang jährlich über 20 Kurzschulungen durch, dazu ergänzend ganze Fortbildungstage in unserem Institut für Fort und Weiterbildung und 2 mal fand ein Hospizgrundseminar in unserer Einrichtung statt, die großen Anklang bei den MitarbeiterInnen fanden.
Etwa ein drittel der MitarbeiterInnen haben diese freiwilligen Schulungen besucht. Obgleich der Schritt sich mit diesem Thema zu beschäftigen nicht leicht für die Mitarbeiter ist und immer wieder welche auch unentschuldigt fehlten, ist doch in unserer Einrichtung die letzten Jahre ein neues Bewusstsein für die Wichtigkeit dieses Themas gewachsen. wir werden immer häufiger in Teams geholt, zu Rate gezogen und mittlerweile sind 2 Projekttage Sterbebegleitung fest im regelmäßigen Terminkalender des Franziskuswerks verankert.

Wir haben es immer als Bereicherung empfunden zusammen, von der Pflege und von der Seelsorge her gemeinsam die Mitarbeiter in Sterbebegleitung zu schulen, sie von beiden Polen her zu begleiten und zu unterstützen Hand in Hand zu arbeiten und in unseren Schulungen und in der Einrichtung. Die Mitarbeiter, die den Sterbenden am nächsten sind, sollen doch in ihrer Tätigkeit Pflege und einfühlsame seelische Begleitung miteinander verbinden.
Deshalb ist es uns wichtig diesen Workshop gemeinsam halten.
Dazu ist noch viel gewachsen, um die Begleitung der Sterbenden zu bebessern. Die Franziskanerinnen von Schönbrunn unterstützen uns und halten Nachtwache bei den Sterbenden, was eine große Entlastung für die Nachtdienste bedeutet und viel Angst nimmt.
Alle Lebensvollzüge sind in unserer Einrichtung eingebettet in christliche Rituale. Gerade in der Sterbebegleitung haben wir in den letzten Jahren zu den herkömmlichen kirchlichen Ritualen, wie Krankensalbung, Requien neue Rituale entwickelt, die sowohl den Bewohnern wie den Mitarbeitern Möglichkeiten bieten mit dem Schmerz, der Trauer, mit Verlust umzugehen, den Gefühlen Ausdruck zu verleihen und so eine Hilfe bieten zum Weiterleben.
Wir haben neue Rituale entwickelt, wie Bewohner und Mitarbeiter Abschied nehmen können auf der Wohngruppe.
Der Workshop ist kurz und wir können in den eineinhalb Stunden nur Beispielhaft Punkte herausgreifen und beleuchten zu diesem Thema.

Wir wollen in einem ersten Teil die Mitarbeiterschulungen in den Blick nehmen, die am häufigsten angefragt wurden: Einführung in Sterbebegleitung und Umgang mit Verlusten. Wir wollen Ihnen diese vorstellen und mit ihnen darüber ins Gespräch kommen.

Im zweiten Teil unseres Workshops möchten wir sie mit hinein nehmen in eine Abschiedfeier, wie wir sie fast nach jedem Sterben auf den Wohngruppen , manchmal auch in den Arbeitsgruppen halten. Diese Feier gibt den einzelnen noch einmal Raum und Möglichkeit persönlich Abschied zu nehmen und ist so einfach, dass sie sich gut in andere Bereiche übertragen lässt.

Wir freuen uns auf Sie!

Workshop: Sterbebegleitung in einer Einrichtung der Behindertenhilfe

Vorstellungsrunde kurz Blitzlicht, wo sie arbeiten, was sie interessiert

wir legen in der Mitte unsere 2 Schulungen aus und stellen sie kurz vor

  1. Einführung Sterbegleitung:
    Eigenes Bild von Leben und Sterben, 
    verstehen der seelischen Vorgänge bei der Begleitung bei mir und dem Sterbenden 
    Wie ich erkenne, dass jemand stirbt und was sind die körperlichen Bedürfnisse, 
    wie ein Verstorbener bei uns versorgt wird,
    Fragen über Fragen

  2. Leben mit Verlusten:
    Umgang mit Abschied, Trauer, 
    unbewältigte Trauer macht krank, schlägt sich leibhaft nieder, 
    einen heilsamen Umgang mit Trauer kennen lernen, meinen Gefühlssee kennen lernen, Trauersamen pflanzen,
    Ritual, wie wir bewusst und gut voneinander Abschied nehmen können

  3. Abschiedsfeier auf der Gruppe
    betrachten des Bildes des Verstorbenen, Abschied nehmen, ihm etwas sagen, Bild berühren, streicheln....
    in die Mitte stellen zur Kerze
    Wir hören aus dem Johannesevangelium: Joh. 14, 1-4
    Teelicht mit Wunsch für den Verstorbenen zum Bild stellen
    gemeinsam beten: Vater unser
    sich an den Händen halten und Gemeinschaft spüren, sich Frieden wünschen und singen
    Segensgebet
    abschließen mit etwas, was der Verstorbene gern hatte: Musik, Lied, Schokolade ...
    und es hören oder genießen, wie der Verstorbene es genossen hat und Geschichten von ihm erzählt

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