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Bayerische Stiftung Hospiz

Pressemeldung

1. Sollten die Möglichkeiten für palliativmedizinische Maßnahmen in Deutschland weiter ausgebaut werden?

Die Situation im Vergleich zu Anfang der 90iger Jahre, als der Schmerzmittelverbrauch in Deutschland 10 % von dem in den skandinavischen Ländern betrug, hat sich verbessert. Die Ärzteschaft ist insgesamt sehr engagiert. Kongresse zu dieser Thematik erfreuen sich großer Nachfrage. Auch die Arbeit der 10 Palliativstationen und 7 stationären Hospizen bzw. der Hospizbewegung insgesamt hat hier viel angestoßen.

Die Novellierung der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (ca. 92/93) hat große Erleichterungen gebracht. Der Verwaltungsaufwand für die Verschreibung von Betäubungsmitteln ist deutlich zurückgegangen. Dies kann also als Argument gegen die Verschreibung nicht mehr vorgebracht werden.

Die Pharmaindustrie bietet inzwischen auch eine große Palette an Betäubungsmitteln an, so dass die Verordnung ganz individuell auf den Einzelfall abgestimmt werden kann.

Allerdings kommt hinzu, dass Schwerstkranke und Sterbende in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend zur Behandlung (eigentlich zum Sterben) in stationäre Einrichtungen eingewiesen wurden, da nur dort "rund um die Uhr"-Betreuung und optimale medizinische Interventionsmöglichkeiten gewährleistet schienen. Und dies, obwohl sich rd. 90 % aller Menschen wünschen, zuhause, im Kreis ihrer Nächsten zu sterben. Sowohl Pflegedienste als auch niedergelassene Ärzte sind durch die langjährige Verlagerung des Sterbens in die Krankenhäuser häufig den besonderen Anforderungen, die schwerstkranke und sterbende Menschen an den Pflegedienst und den behandelnden Arzt stellen, nicht mehr gewachsen.

Von der Ärzteschaft wird kritisiert, dass die sehr zeitintensiven psychosozialen Aspekte bei der Sterbebegleitung im Rahmen der Gebührenordnung insgesamt nicht genügend Rechnung getragen wird und auch die Abrechenbarkeit der Hausbesuche limitiert ist. Eine ca. 6 Jahre alte Studie bei 80 Hausärzten hat ergeben, dass die direkte Kommunikation mit Sterbenden und Angehörigen im Zentrum der Betreuung steht. Auch der schmerztherapeutischen Betreuung wird hoher Stellenwert eingeräumt. Allerdings zeigte sich ein deutlich zurückhaltenderer Umgang mit Betäubungsmittel-Rezepten bei zunehmender Niederlassungsdauer.

Was ist zu tun?
Mehr Aufklärungsarbeit sowohl bei Ärzten, Patienten und Angehörigen um die immer noch vorhandenen Vorbehalte gegen Morphintherapie abzubauen. Entgegen der häufig verbreiteten Meinung betäubt die Morphintherapie nicht, sondern macht, wenn die Therapie gegriffen hat und die Schmerzen nachlassen, sogar wacher, so dass der Patient wieder mehr am Leben teilnimmt.

Darüber hinaus brauchen wir eine Umorientierung in der Aus–, Weiter- und Fortbildung der Hausärzte als auch in Honorierungsfragen sowie eine effektive Koordination sozialer und medizinischer Dienstleistungen, die die negativen Effekte einer nach wie vor zu beobachtenden Fragmentierung der Betreuungsleistungen zu überwinden vermag. Die Problematik wurde erkannt und zumindest teilweise im Bereich der Approbationsordnung und der Weiterbildungsordnung für Ärzte Rechnung getragen.

Auch die Bayerische Stiftung Hospiz, deren vorrangige Aufgabe die Verbesserung der Sterbebegleitung ist, fördert verschiedene Modellprojekte wie z.B. einen palliativ medizinischen Konsiliardienst für die niedergelassenen Ärzte. Die Stiftung sieht in der Verbesserung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung einen vordringlichen Handlungsbedarf. Sie ist mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns in Kontakt, um die weiteren Schritte in diesem Bereich abzustimmen.

Sterbenden ein menschenwürdiges Leben bis zuletzt zu ermöglichen, ist wesentliches Element einer humanen Gesellschaft und Bestandteil der bayerischen Sozialpolitik. Wir brauchen einen Strukturwandel. Die Begleitung Sterbender zu Hause im Kreis ihrer Angehörigen und die Linderung ihrer Schmerzen im Sinne des Hospizgedankens sind nicht nur humaner, sondern auch wirtschaftlicher. Die Stärkung der palliativmedizinischen und palliativpflegerischen Versorgung im Sinne der Hospizbewegung ist darüber hinaus eine überzeugende Antwort auf die immer wieder geäußerten Forderungen nach aktiver Sterbehilfe.

2. Sieht das Ministerium die Notwendigkeit und die Möglichkeit, die Hospiz-Bewegung in Bayern weiter zu fördern?

Bayern war einer der Ausgangspunkte für die Hospizbewegung in Deutschland. Frau Dr. Gustava Everding hat mit dem Christophorus Hospiz Verein in München 1985 einen der ersten drei Hospizvereine Deutschlands gegründet. Frau Denzler-Labisch hat 1991 den Bayerischen Hospizverband ins Leben gerufen. Inzwischen unterstützen ca. 10.000 Menschen aktiv die Hospizbewegung in Bayern. 105 Hospizvereine mit über 2.000 ehrenamtlichen Helfern haben sich in den letzten 17 Jahren gebildet.

Die Aufgabe, die Hospizbewegung weiter zu fördern, wird in Bayern in erster Linie von der 1999 mit Unterstützung des Freistaates Bayern gegründeten Bayerischen Stiftung Hospiz wahrgenommen.

Aufgabe der Stiftung ist es, den Hospizgedanken zu verbreiten und die Sterbebegleitung zu verbessern. Dazu gehört z.B.:

Die Stiftung fördert u.a. den Auf- und Ausbau der ehrenamtlichen Hospizarbeit mit 1 € je Einsatzstunde (jährlich ca. 75.000 €) sowie Seminare, Tagungen und Modellprojekte.

Um die ehrenamtliche Hospizarbeit zu stärken, hat Bayern zusammen mit Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Bundesrat eine gemeinsame Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht. Durch diese Initiative konnte erreicht werden, dass heute die Möglichkeit besteht, die ambulanten Hospizdienste durch die gesetzliche Krankenversicherung finanziell zu unterstützen. Rückwirkend für das Jahr 2002 wurden nun erstmals bayernweit an 20 Hospizvereine 711.000 € ausgereicht.

Mit diesen Geldern werden Fachkräfte bezuschusst, deren Aufgabe es ist, ehrenamtliche Hospizhelferinnen und Hospizhelfer zu gewinnen, zu schulen, zu unterstützen und deren Einsatz zu koordinieren. Daneben gehört auch die palliativpflegerische Beratung zu den Aufgaben der geförderten Fachkräfte.

Ziel ist es, alle Hospizvereine in Bayern mit einer Fachkraft zu verstärken. Diese neue Leistung wird dazu beitragen, die Qualität der ambulanten Sterbebegleitung zu verbessern und dem Ausbau der ambulanten Hospizarbeit einen spürbaren Schub zu verleihen.

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